Meine Zeit steht in deinen Händen

Nachricht Ockenhausen, 03. November 2026

Meine Zeit steht in Deinen Händen

Ich aber, Herr, hoffe auf Dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in Deinen Händen (Ps 31, 15-17) – Gedanken zum Ende des Kirchenjahres.

Die Zeit, die Zeit... Manche sagen: Es gibt keine Zeit, es gibt nur Veränderung. Zeit lässt sich letztlich gar nicht messen und feststellen, sondern nur die Veränderung; allein die ist sichtbar - und sei es nur in dem Sekundenzeiger an der Uhr, der seine Position verändert. Aber statt über die Sichtbarkeit von Zeit nachzudenken - ist es nicht wesentlicher, sich Gedanken darüber zu machen, wie wir mit unserer Zeit umgehen?

Liebe Leserinnen und Leser – was fangen Sie mit ihrer Zeit an? Oder anders gefragt: was macht Ihr in Eurer Zeit? Habt Ihr davon eigentlich genug? Oder ist das auch ganz unterschiedlich?...

Viele Menschen kennen das Gefühl, dass uns nicht genug (Lebens-)Zeit zur Verfügung steht. Besonders im letzten Lebensabschnitt begegnet uns dies Gefühl, das die Zeit unaufhaltsam (schnell) davonläuft. Schon der Dichter Wilhelm Busch kannte dies Gefühl und dichtete nachdenklich-humorvoll: Eins-zwei-drei im Sauseschritt; die Zeit, die läuft, wir laufen mit…, deutete an: wir rennen der Zeit hinterher.

Haben wir also wirklich immer nur zu wenig Zeit, oder haben wir nicht auch einmal zu viel davon, sprich: Langeweile? Zeit, in der wirklich nichts ansteht? In der man erstmal nichts vorhabt (und vielleicht sogar auf dumme Gedanken kommt)?

Und - Ist Stillstand immer Zeitverschwendung?

In Psalm 31 singt der Psalmbeter: „Ich aber, Herr, hoffe auf Dich und spreche: Du bist mein Gott! Meine Zeit steht in Deinen Händen.“

Das ist Ausdruck tiefen Vertrauens, Sich-Anvertrauens. Der Psalmbeter erkennt Gott als Herrn über die Zeit, über seine Lebenszeit an. Gott ist es, der uns Zeit schenkt. Wie viel Zeit uns zur Verfügung steht, ist dabei ganz unterschiedlich. Was schön ist und Spaß macht, ist oft so schnell vorbei, was weniger Spaß macht, dauert manchmal – gefühlt – eine Ewigkeit. Und trotzdem gilt immer: Meine Zeit steht in Gottes Händen.

 

Der Psalm spricht auch von unserer Zeit –und doch hat sie sich keiner selbst erschaffen. Unsere Zeit kommt von dem, der uns das Leben geschenkt hat: von Gott.

Wir bestimmen nicht, wie lange unsere Zeit in diesem Leben dauert und keiner kann seinem Leben letztlich auch nur eine Spanne hinzusetzen (wider den Fitnesswahn…).

Und noch etwas will uns dieser Psalm Vers sagen: So, wie ich mein Leben aus Gottes Händen empfange, so kehre ich einmal in seine Hände zurück. Doch ich bin nicht nur meine Lebenszeit lang in seinen Händen geborgen. Er eröffnet mir die Ewigkeit.

Gott gibt nichts auf, was Er geschaffen hat. Keinen Menschen und keinen Augenblick. Denn danach kommt noch etwas und Dank Jesus Christus steht uns der Himmel - und damit Gottes Ewigkeit - offen.

Daran wollen uns in der kirchlichen Ordnung besonders die sogenannten letzten Sonntage im Kirchenjahr erinnern: Drittletzter Sonntag, Vorletzter Sonntag (Volkstrauertag) und Ewigkeitssonntag (im Volksmund: Totensonntag, weil wir dann noch einmal in Gottesdiensten die Namen unserer Verstorbenen Namen hören).

Viele Glaubende denken bei diesen Sonntagen oft einseitig daran, dass wir „alle einmal offenbar werden müssen vor der Richterstuhl Christi“ (2Kor 5,10a) und Gott einen (kritischen) Blick auf unser Leben wirft – und sehen oft regelrecht gegen diese Zeit im Kirchenjahr und die von Natur aus dunklen Tage an; sie befremdet oder erschreckt der Gedanke eines richtenden Gottes. Richtig ist: was wir tun und lassen, ist nicht egal. Aber wenn Gott einen Blick auf unser Leben wirft, tut Er das um unseretwillen, so, wie er Jesus um unseretwillen in diese Welt gesandt hat, damit wir gerettet werden. Und daran erinnert diese besondere Zeit im Kirchenjahr uns: Sowie ich mein Leben aus Gottes Händen empfange, so kehre ich in seine Hände zurück. Denn alle Zeit – und somit auch meine Zeit - steht in Gottes Händen.      

 

Pastor Stephan Pregitzer

Es grüßt:

Stephan Pregitzer
Neudorfer Straße 76
26670 Ockenhausen
Tel.: 04956 1381
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