Ockenhausen
Am 6. Dezember 1997 feierte die ev.-luth. Friedenskirchengemeinde Ockenhausen ihr 100jähriges Bestehen.

Die Ortschaften Meinersfehn, Stapel, Neudorf, Ockenhausen und Oltmannsfehn waren zum Ende des 18. bzw. im Anfang des 19. Jahrhunderts als so genannte ,,Fehngemeinden“ gegründet worden. Ohne, dass diese Orte dem ,,Kirchspiel Uplengen“ eingegliedert worden waren, wurden sie vom Pastoren in Remels ,,bedient“. Es kann sehr gut nachempfunden werden, dass dieses Bedienen auch als zweitklassige Behandlung der Gemeindeglieder aus den fünf Fehngemeinden verstanden wurde. Hinzu kam die weite Entfernung  zur Kirche in Remels, was bei den damals vorliegenden Verkehrs- und Wegeverhältnissen als enorme Benachteiligung angesehen werden musste. Da aber um die Jahrhundertwende auffallend viele Kirchengemeinden in Ostfriesland entstanden sind, kann angenommen werden, dass durch dieses ,,die-Kirche-ins-Dorf-holen“ das Selbstwertgefühl der Bewohner in den von den Kirchen weit entfernten Orten gestärkt werden sollte. Offensichtlich wollte die mit dem Staat zur damaligen Zeit noch engstens verbundene Kirche (Staatskirche) dem Treiben der ,,Sekte der Wiedertäufer“ (Baptisten) auch dadurch Einhalt gebieten, in dem die kirchliche Versorgung auf dem Fehn verbessert wurde. Natürlich geht dies so nicht direkt aus den vorliegenden Akten hervor, lässt sich aber zwischen den Zeilen gelesen sehr wohl wahrnehmen.

Jedenfalls sind Aktivitäten und Verhandlungen schon fast zehn Jahre vor Gründung unserer Gemeinde festzustellen. Leider geht aus der Chronik bzw. dem Protokollbuch der Muttergemeinde Uplengen in Remels so gut wie nichts hervor. Es sind aber Akten bzw. Schriftverkehr vorhanden, der sich mit der ,,neu zu gründenden“ Kirchengemeinde Ockenhausen beschäftigt. In diesen Verhandlungen geht es um die Gründung einer so genannten ,,Tochtergemeinde“ mit eigenem Kirchenvorstand unter Leitung eines ,,Pfarrcollaborators“, der sowohl die Pfarrgeschäfte als auch die Vermögensverwaltung selbständig führt.

So wurde denn die Kirchengemeinde Ockenhausen am 6. Dezember 1897 ,,errichtet“, wie es im kirchlichen Amtsblatt unter N°. 5/1897 bekanntgegeben worden ist. Das Ständerwerk stand, nun mußte der Bau weitergeführt werden. Es fehlte ein Pastor, der die geistlichen Aufgaben wahrnahm, ein Kirchenvorstand, der die Gemeinde vertrat und besonders ein Gotteshaus. So mussten die Gottesdienste vorläufig im ,,Predigtlokal“ gefeiert werden. Für die Wahl des Kirchenvorstandes wurde alles Erforderliche in die Wege geleitet. In einer Gemeindeversammlung sollten die Wünsche und Ansichten  der stimmberechtigten Gemeindemitglieder, insbesondere auch über die Zahl der Kirchenvorsteher erfragt werden. Pastor Brahms in Remels wurde angewiesen, der Kirchenkommission bei der Ausrichtung ihres Auftrages die erforderliche ,,Hilfe“ zu leisten, und bis zur Aufstellung eines Kollaboratores im neu zu wählenden Kirchenvorstand den Vorsitz zu übernehmen.

Doch noch vor der Wahl des Kirchenvorstandes  wurde Pastor Johann Dietrich Müller, geboren am 1. Februar 1868 in Leer, als Pastor und Seelsorger berufen. Er wurde am 28. März 1898 in feierlichem Zug auf geschmücktem Wagen in die Gemeinde eingeholt und am 30. März durch Herrn Superintendent Schaaf, Potshausen, in sein Amt eingewiesen. Pastor Müller hielt seine Antrittspredigt über 2. Kor. 4,5 (,,Denn wir predigen nicht uns selber, sondern
J e s u m  C h r i s t u m, dass Er sei der Herr, wir aber eure Knechte um Jesu willen.“)

Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Vorbereitung der Kirchenvorsteherwahl, welche am 12. April 1898 in der Schule zu Ockenhausen stattfand. Man hatte sich inzwischen auf fünf Vorsteher, für jeden Ort einen – geeinigt. So wurde gewählt:

-               Für Stapel:                          Heinrich Rebel
-               Für Meinersfehn:               Heye Heyen Steenblock
-               Für Neudorf:                       Gerd Pülscher
-               Für Oltmannsfehn:            Harm Ferdinand
-               Für Ockenhausen:            Gerhardus Ahrenholtz

Als Ersatzleute wurden Brunke Hedemann aus Oltmannsfehn und Focke Gerdes aus Stapel gewählt.

Der erste Kirchenvorstand wurde am Sonntag, dem 24. April 1898 ,,pflichtbar gemacht“, wie es heißt, und in sein Amt eingeführt. Schon am 28. desselben Monats war die erste Kirchenvorstandssitzung angesetzt, denn es galt unter anderem den Bau des Pastorenhauses mit angeschlossenem ,, Betsaal“ in Angriff zu nehmen.

Quelle: 100 Jahre Kirchengemeinde Ockenhausen